Sanierung

Kernsanierung: Kosten pro m² realistisch kalkulieren

BOB Redaktion2 Min. LesezeitAktualisiert:

Die kurze Antwort

Eine Kernsanierung kostet als Richtwert 600 bis 1.800 € pro m² Wohnfläche (Stand 2025) — je nach Zustand, Region und Anspruch. Bei 120 m² sind das 72.000 bis 216.000 €. Ab etwa der Hälfte des Neubau-Niveaus gehört die ehrliche Vergleichsrechnung auf den Tisch: sanieren oder abreißen und neu bauen?

Die Kernsanierung ist das ehrlichste Bauprojekt von allen: Sie zeigt dir sofort, was jahrzehntelang niemand sehen wollte. Genau deshalb braucht sie die konservativste Kalkulation — und die dickste Reserve.

Der Richtwert — und warum die Spanne so breit ist

Als belegter Richtwert gilt 600 bis 1.800 € pro m² Wohnfläche (Stand 2025). Das ist Faktor drei — und kein Zeichen schlechter Daten, sondern die Realität dreier Stellschrauben:

Stellschraubeunteres Endeoberes Ende
Substanztrocken, tragfähig, 1970erfeucht, Holzbalkendecken, vor 1950
UmfangTechnik + Oberflächeninkl. Dach, Dämmung, Grundriss-Eingriffen
Anspruchsolide Standardausstattunggehoben, Denkmal-Auflagen, Smart Home

Für dein konkretes Projekt: Maßnahmen einzeln ansetzen statt mit einem Pauschalwert zu rechnen — der Sanierungskosten-Rechner addiert belegte Spannen je Maßnahme (Fassade, Dach, Fenster, Wärmepumpe, Kernsanierung) zu deiner Gesamtspanne.

Die Kostenblöcke der Kernsanierung

Grobe Orientierung, welche Gewerke den Löwenanteil tragen:

  • Haustechnik komplett (Elektrik, Heizung, Sanitär, Leitungen): der teuerste Block — alles, was in Wänden und Schächten liegt
  • Hülle (Dach, Fenster, Fassadendämmung): entscheidet über Förderfähigkeit und Energiekosten der nächsten 30 Jahre
  • Innenausbau (Putz, Estrich, Böden, Bäder, Türen): sichtbar, gut steuerbar über die Ausstattungswahl
  • Das Unsichtbare (Abbruch, Entsorgung, Trocknung, Schadstoffe, Statik-Überraschungen): der Block, den Angebote am liebsten auslassen — und der Grund für die Reserve

Bei Häusern vor Baujahr ~1995 immer einplanen: Schadstoff-Verdachtsprüfung (Asbest in Kleber, Putz, Dachplatten; KMF-Dämmung; PAK in Klebern). Ein Befund ändert Ablauf und Budget — vorher wissen ist billiger als beim Abbruch entdecken.

Reihenfolge und Förderung

Die bewährte Folge: Hülle → Technik → Oberflächen. Wer die Wärmepumpe vor der Dämmung dimensioniert, kauft zu groß; wer Böden vor den Leitungen legt, reißt sie wieder auf. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) vom Energieberater strukturiert das — und erhöht bei BEG-Einzelmaßnahmen den Fördersatz. Förderungen (BEG, KfW, Länder) gehören als eigene Finanzierungsquellen in den Plan, nicht als eingerechneter Rabatt: bewilligt ist bewilligt, alles andere ist Hoffnung.

Budget-Regeln für die Kernsanierung

  1. Reserve 15–20 % — mehr als beim Neubau, denn hinter jeder geöffneten Wand kann eine Überraschung stecken. Details: Wie viel Reserve?
  2. Bestandsaufnahme vor Angeboten: Substanzgutachten und Schadstoffprüfung kosten vierstellig und ersparen fünfstellige Nachträge — dasselbe Prinzip wie beim Bodengutachten im Neubau.
  3. Maßnahmen einzeln vergeben und einzeln führen: Je Maßnahme Angebote, Auftrag, Zahlungsstand — in BOB mit der Sanierungs-Vorlage, damit die Wärmepumpe nicht im Sammelposten „Technik“ verschwindet.
  4. Jede Überraschung wird Nachtrag mit Betrag und Freigabe — auch bei der Sanierung gilt: dokumentiert schlägt gefühlt.

Quellen und Stand

Geprüft am 25.09.2026. Zahlen-Artikel werden vierteljährlich aktualisiert. Allgemeine Informationen, keine Rechts- oder Finanzberatung.

Häufige Fragen

Mit dem Richtwert 600–1.800 €/m² grob 72.000 bis 216.000 €. Die enorme Spanne ist ehrlich: Ein trockenes 70er-Jahre-Haus mit intakter Substanz liegt unten, ein Baujahr-1900-Haus mit feuchtem Keller, Holzbalkendecken und Schadstofffunden oben.

Alles außer der tragenden Struktur: Elektrik, Heizung, Sanitär und Leitungen komplett neu, Fenster, Dämmung, Böden, Bäder, Putz, meist auch Dach. Die Hülle bleibt — deshalb greifen Bestandsschutz und (anders als beim Neubau) oft vereinfachte Genehmigungen.

Faustregel: Liegen die Sanierungskosten über 70–75 % eines vergleichbaren Neubaus, rechnet sich der Neubau häufig — er bringt moderne Substanz, klare Gewährleistung und bessere Energiewerte. Dagegen sprechen können Bestandsschutz (Baurecht!), Grunderwerbsteuer-Themen, Denkmalschutz und die Abriss-/Entsorgungskosten. Rechne beide Wege mit derselben Sorgfalt.

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