Nachträge
Nachträge beim Bau: wie du sie kontrollierst
Die kurze Antwort
Nachträge — vertragliche Mehrungen nach Auftragserteilung — sind der leiseste Budget-Killer am Bau: einzeln klein, in Summe oft fünfstellig. Die Kontrolle braucht drei Regeln: kein Nachtrag ohne Schriftform mit Betrag, keine Ausführung vor deiner Freigabe, und beim Verbraucherbauvertrag zusätzliche 5 % Sicherheit, wenn Nachträge die Vergütung um mehr als 10 % erhöhen (§ 650m BGB).
„Wenn wir schon dabei sind, machen wir das gleich mit“ — dieser Satz kostet auf deutschen Baustellen jedes Jahr Millionen. Nicht, weil Nachträge unzulässig wären: Sie sind normal. Teuer werden sie, wenn niemand mitschreibt.
Was ist ein Nachtrag — und was nicht?
Ein Nachtrag ist jede Änderung des vereinbarten Leistungsumfangs nach Vertragsschluss: zusätzliche Leistungen (die dritte Steckdosen-Reihe), geänderte Leistungen (Eiche statt Buche), entfallende Leistungen (Minderung!). Seit der Baurechtsreform regeln § 650b und § 650c BGB sogar ein förmliches Änderungsverfahren mit Anordnungsrecht des Bestellers und Regeln zur Vergütungsanpassung.
Kein Nachtrag ist, was schon geschuldet war: Wenn die Leistungsbeschreibung „fachgerechte Abdichtung“ sagt, ist die Abdichtung kein Extra. Viele „Nachträge“ sind in Wahrheit Lücken des Angebots — deshalb beginnt Nachtragskontrolle beim Angebotsvergleich: Was dort als fehlende Position auffällt, kommt später nicht als Überraschung.
Die drei Regeln der Nachtragskontrolle
Regel 1 — Schriftform vor Ausführung. Jeder Nachtrag wird vor der Ausführung schriftlich fixiert: Leistung, Betrag (oder nachvollziehbare Berechnungsbasis), Datum. Eine kurze E-Mail „wie besprochen: Position X, +2.400 € brutto“ reicht als Dokumentation. Was nicht fixiert ist, wird nicht ausgeführt — dieser eine Satz, freundlich und konsequent, erzieht jede Baustelle.
Regel 2 — Freigabe ist deine Entscheidung. Zwischen „der Statiker verlangt es“ (musst du) und „der Fliesenleger empfiehlt es“ (kannst du) liegt der ganze Spielraum deines Budgets. Jeder Nachtrag bekommt eine bewusste Ja/Nein-Entscheidung gegen die Zahl im Kostenplan — nicht auf der Leiter, sondern am Abend mit Blick auf „frei“.
Regel 3 — Nachträge erhöhen die Bezugsgrößen. Genehmigte Nachträge erhöhen die Auftragssumme — also auch die 90-%-Grenze für Abschläge und die Bemessung der Schlussrechnung. Und beim Verbraucherbauvertrag gilt: Steigt die Vergütung durch Nachträge um mehr als 10 %, steht dir für den Mehrbetrag eine zusätzliche Sicherheit von 5 % zu (§ 650m Abs. 2 BGB). Details zu Sicherheiten: Abschlagszahlungen: deine Rechte.
Der Nachtrags-Workflow für die Praxis
- Erfassen am Tag der Vereinbarung: Titel, Betrag, Grund, Gewerk — 60 Sekunden.
- Status führen: angefragt → genehmigt → berechnet. Ein Nachtrag ohne Status ist ein Gerücht.
- Gegen das Budget stellen: Deckt die Reserve den Betrag? Wenn nicht: Wo wird gekürzt? Diese Frage gehört vor die Freigabe, nicht nach die Schlussrechnung — siehe Budget überschritten: was jetzt?
- In der Schlussrechnung abgleichen: Jede Rechnungsposition über dem Ursprungsauftrag muss einem genehmigten Nachtrag zuordenbar sein. Rest: Rückfrage.
In BOB ist dieser Workflow eingebaut: Nachträge werden je Auftrag mit Titel, Betrag, Grund und Entscheidungsdatum geführt, erhöhen erst nach deiner Freigabe die Auftragssumme, und der Zahlungswächter meldet automatisch jede Rechnung, die über Auftrag plus genehmigte Nachträge hinausläuft.
Wenn es doch knallt
Bleibt ein Nachtrag streitig — etwa weil der Unternehmer ausgeführt hat, was du nie freigegeben hast — hilft die Dokumentation: Wer wann was beauftragt, geliefert und gezahlt hat. Zahle strittige Beträge nicht „für den Baufrieden“; einbehaltenes Geld ist deine stärkste Verhandlungsposition. Bei größeren Summen: Verbraucherzentrale, Bauherren-Schutzbund oder Fachanwältin, bevor die Fronten hart werden.
Allgemeine Informationen — keine Rechtsberatung.
Quellen und Stand
- § 650b BGB — Änderung des Vertrags; AnordnungsrechtStand: 09/2026
- § 650c BGB — Vergütungsanpassung bei AnordnungenStand: 09/2026
- § 650m BGB — zusätzliche Sicherheit bei Erhöhung um mehr als 10 %Stand: 09/2026
Geprüft am 25.09.2026. Zahlen-Artikel werden vierteljährlich aktualisiert. Allgemeine Informationen, keine Rechts- oder Finanzberatung.
Häufige Fragen
Mündliche Vereinbarungen können wirksam sein — aber wer was wann zugesagt hat, ist im Streit kaum beweisbar. Deshalb die eiserne Regel: Mehrkosten werden vor der Ausführung schriftlich fixiert (E-Mail genügt als Dokumentation), sonst wird nicht ausgeführt.
Ein Nachtrag ändert den Vertragsumfang (andere oder zusätzliche Leistung) mit vereinbartem Preis. Stundenlohnarbeiten sind offene Abrechnung nach Aufwand — gefährlich ohne Deckel. Wenn Stundenlohn, dann mit Obergrenze und täglichem Rapport.
Abschläge auf Nachträge folgen denselben Regeln wie der Hauptauftrag: Zahlung nach erbrachter Leistung. Und denk an die Gesamtgrenze: Vor der Abnahme dürfen alle Abschläge zusammen 90 % von Auftragssumme plus genehmigten Nachträgen nicht übersteigen.
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