Kostenplan

Kostenplan für den Hausbau erstellen: so geht es richtig

BOB Redaktion3 Min. LesezeitAktualisiert:

Die kurze Antwort

Ein guter Kostenplan gliedert das Projekt in 15–20 Gewerke mit einzelnen Positionen, kennt für jeden Euro vier Zustände (geplant, beauftragt, berechnet, bezahlt) und enthält eine Reserve von 10–15 %. Wichtiger als das Werkzeug ist die Routine: Jeder Beleg wird sofort zugeordnet — sonst ist der Plan nach drei Wochen tot.

Der Kostenplan ist das einzige Dokument, das dein ganzes Bauprojekt kennt. Banken sehen nur die Finanzierung, Handwerker nur ihr Gewerk, der Bauleiter nur den Fortschritt — die Gesamtwahrheit steht bei dir. So baust du sie auf, dass sie den Bau übersteht.

Die Struktur: Gewerke, Positionen, eine Logik

Gliedere nach Vergabepaketen — also danach, wie du später beauftragst: Erdarbeiten, Rohbau, Dach, Fenster, Haustechnik, Innenausbau, Außenanlagen … Die Kostengruppen der DIN 276 (300 Baukonstruktion, 400 Technische Anlagen, 500 Außenanlagen, 700 Baunebenkosten) sind dafür ein gutes Ordnungsraster, aber kein Selbstzweck: Entscheidend ist die eine Regel, dass jede künftige Rechnung genau einer Position zuordenbar sein muss.

Bewährt haben sich 15–20 Gewerke mit je 2–8 Positionen — die BOB-Vorlage bringt 16 Gewerke mit 64 Positionen mit, inklusive der Posten, die gern vergessen werden (siehe Baunebenkosten-Liste).

Die vier Zustände jedes Euros

Der häufigste Konstruktionsfehler: eine einzige Spalte „Kosten“. Ein lebender Plan kennt für jede Position vier Zustände —

ZustandBedeutungWoher der Wert kommt
Geplantdeine KalkulationSchätzung, Rechner, Vorlage
Beauftragtvertraglich gebundenAuftragssumme + genehmigte Nachträge
BerechnetRechnung liegt vorAbschlags-/Schlussrechnungen
BezahltGeld ist geflossenÜberweisungen, Einbehalte

Erst diese Trennung beantwortet die einzig wichtige Frage: Was ist noch frei? Frei ist, was weder gebunden noch verplant ist — nicht das, was noch auf dem Konto liegt.

Die Reserve: Pflicht, nicht Kür

Plane 10–15 % der Bausumme als eigene Position „Reserve“ — sichtbar, nicht als stilles Polster in geschönten Einzelansätzen. Die POCASIO-Umfrage 2023 liefert die Begründung: 69,3 % der Bauherren über Budget, im Schnitt +57.600 €. Wer die Reserve offen führt, macht aus der Überraschung eine Umbuchung; wer sie versteckt, merkt erst in der Krise, dass sie längst verbraucht ist. Was zu tun ist, wenn sie trotzdem nicht reicht, steht in Budget überschritten: was jetzt?.

Markiere außerdem die statistischen Risiko-Positionen — Erdarbeiten, Außenanlagen, Elektrik — und setze dort konservative Beträge an. Das sind die drei häufigsten Budget-Reißer.

Vom Plan zur Praxis: die Belegroutine

Ein Kostenplan stirbt nicht an schlechter Struktur, sondern an liegengebliebenen Belegen. Die Routine, die funktioniert:

  1. Beleg kommt an (Foto auf der Baustelle, PDF per Mail) → sofort erfassen, nicht sammeln
  2. Zuordnen zu Position und ggf. Auftrag → 30 Sekunden, wenn die Struktur stimmt
  3. Einmal pro Woche den Blick auf „frei“ und die nächsten Fälligkeiten

In BOB übernimmt Schritt 1–2 die Beleg-Erkennung: fotografieren oder weiterleiten, Vorschlag bestätigen. Vor jeder Zahlung prüft zusätzlich der Zahlungswächter Abschläge gegen Auftrag und Gesetz.

Angebote und Nachträge einpflegen

Zwei Regeln halten den Plan wahr:

  • Beauftragt schlägt geplant. Sobald ein Angebot beauftragt ist, rechnet die Position mit der echten Auftragssumme — die Schätzung hat ausgedient. Wie du vorher Lücken zwischen Angeboten findest: Angebote vergleichen.
  • Kein Nachtrag ohne Beleg. Mehrkosten werden am Tag der Vereinbarung als Nachtrag mit Betrag und Grund erfasst — nicht erst, wenn die Schlussrechnung sie enthüllt. Mehr dazu: Nachträge beim Bau kontrollieren.

Excel oder App?

Fang an, womit du sofort loslegst — wichtig ist der Start vor der ersten Vergabe. Die kostenlose Excel-Vorlage trägt durch die Planungsphase; wenn Belege, Abschläge und Nachträge Tempo aufnehmen, importierst du sie mit einem Klick in BOB und der Plan rechnet ab dann selbst mit. Dein bisheriger Stand ist Startpunkt, nicht verlorene Arbeit.

Quellen und Stand

Geprüft am 25.09.2026. Zahlen-Artikel werden vierteljährlich aktualisiert. Allgemeine Informationen, keine Rechts- oder Finanzberatung.

Häufige Fragen

Für den Start ja — eine gute Vorlage mit Gewerken und Summenformeln trägt durch die Planungsphase. Excel bricht dort, wo Tempo reinkommt: Belege zuordnen, Zahlungsstände je Auftrag, Nachträge, Liquidität. Genau an dieser Stelle sterben die meisten Tabellen — und die Übersicht gleich mit.

Praktisch bewährt: nach Gewerken bzw. Vergabepaketen (Erdarbeiten, Rohbau, Dach …), grob angelehnt an die Kostengruppen der DIN 276. Entscheidend ist, dass jede spätere Rechnung genau einer Position zuordenbar ist — die Struktur folgt der Vergabe, nicht der Norm.

Bei jedem Beleg, nicht am Monatsende. Die Fünf-Minuten-Routine (Rechnung rein, zuordnen, fertig) hält den Plan wahr; die Sonntagabend-Sammelpflege scheitert erfahrungsgemäß ab dem Rohbau.

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